HP sperrt Fremdtinte aus

Tinte ist teuer. Sie wird preislich fast in Gold aufgewogen. Die Druckerhersteller subventionieren auf diese Weise ihre Gerätepreise und erhalten eine solide und langfristige Finanzierungsquelle. Wären da nicht Tintenhersteller, die geräteunabhängige Ersatztinte anbieten, die zum Teil deutlich billiger ist. Kunden haben über die Jahre gelernt, nicht weiter auf Originaltinte zu setzen, sondern die günstige Ersatztinte zu kaufen und so Geld zu sparen. Das hat den Druckerhersteller HP scheinbar dazu veranlasst, Fremdtinte in einigen Geräten auszusperren.

HP spielt Update der Firmware ein

hpAm 13. September 2016 hat HP eine neue Firmware auf aktuelle Drucker ausgespielt. Seitdem funktioniert die günstige Ersatztinte nicht mehr. Es erscheint eine Fehlermeldung, die auf Probleme mit der Tinte hinweist. Der Drucker stellt die Arbeit ein. Das lässt sich nur mit Einsetzen von HP-Tintenpatronen ändern. Betroffen sind unter anderem die Druckermodelle HP OfficeJet Pro 8610, 8615, 8620, 8625 und 8630, vermutlich aber viele weitere Geräte.

HP versucht mit diesem Vorgang, seine Kunden zum Kauf der teuren HP-Tinte für die Modelle zu zwingen. Inzwischen räumte das Unternehmen ein, seine technischen Entwicklungen und sein geistiges Eigentum auf diese Weise schützen zu wollen.

HP-Kunden sind aufgebracht

Das Support-Forum von HP quillt derzeit über von Fragen und Kritik erboster Kunden. Viele wissen noch nicht, dass HP die Firmware umgestellt hat. Andere sprechen von kalter Enteignung und einem unverschämten Vorgehen. Rein rechtlich wäre durchaus zu prüfen, ob ein Hersteller nach dem Kauf seine Produkte so ändern darf, dass sie anders zu nutzen sind. In Bedienungsanleitungen heißt es bisher nur, dass nur Originaltinte die problemlose Funktionalität gewährt. Dass ein Tintenstrahldrucker mit Fremdtinte nicht mehr funktioniert, ist aber ein völlig neuer Sachverhalt. Zumal die meisten Kunden Fremdtinte vorher seit Monaten ohne Probleme genutzt haben.

Automatische Updates abstellen

Wer sich gegen Eingriffe dieser Art schützen möchte, hat mehrere Möglichkeiten. Zum einen kann er auf andere Hersteller ausweichen, die mit dem Thema Tinte liberaler umgehen. Zum anderen kann er die automatischen Firmware-Updates ausschalten. Das hilft aber nur bei schon gekauften Geräten, die noch kein Update erfahren haben. Dazu müssen einfach unter „HP Update“ die Einstellungen auf „niemals“ geändert werden. Eine Anleitung dazu gibt es hier.

Allerdings bedeutet dies auch, dass technische Verbesserungen oder Fehlerbeseitigungen nicht mehr installiert werden können. Besonders für Drucker im heimischen Netzwerk kann das potenziell ein Sicherheitsrisiko durch Lücken in der Geräte- und Dokumentenberechtigung bedeuten.

Bei älteren Geräten besteht derzeit offenbar kein Risiko, dass Fremdtinte gesperrt wird. Neue Geräte werden dagegen ggf. schon mit der Sperre ausgeliefert.

Update 14.10.2016: HP rudert zurück

Nach dem großen Druck hat sich der Hersteller dazu entschlossen, die nachträglich eingeführte Blockade von Fremdtinte nicht länger fortzuführen. Auf seiner Support-Seite gibt HP die Veröffentlichung eines Firmware-Updates bekannt, nach dessen Installation wieder alle Tintenpatronen in den HP-Druckern funktionieren sollten. Für einige Modelle wird die neue Firmware aber erst kommende Woche erscheinen, wie es in einem HP-Supportdokument heißt.